Delegiertenversammlung

Coronazeit - Gewerkschaftliches Handeln und Demokratie

  • 16.09.2020
  • News, Bildergalerie

Im Mittelpunkt der Versammlung am vergangenen Dienstag standen die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie.

Auch in Braunschweig und Wolfenbüttel sind diese in den Betrieben und dem Alltag deutlich zu spüren. "Über tarifliche und betriebliche Regelungen zur Kurzarbeit und nicht zuletzt zum Gesundheitsschutz konnten wir und die in der IG Metall organisierten Betriebsräte die unmittelbaren Auswirkungen für unsere Kolleginnen und Kollegen deutlich abmildern", erklärte Eva Stassek, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Braunschweig. Gleichzeitig wirke Corona teilweise wie ein Turbo für die Transformation in den Betrieben. Die Pandemie beschleunigt Umbauprozesse und Sparvorhaben die nicht selten in personellen Maßnahmen endeten. Das komplexe Thema werde auch in den nächsten Tarifrunden eine große Rolle spielen. "Wenn wir gemeinsam für solidarische Lösungen streiten, werden wir gut durch die Krise kommen", verdeutlichte Stassek.

In einem Gastreferat beleuchtete Dr. Jens-Christian Wagner, Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten und Leiter der Gedenkstätte Bergen-Belsen, die Auswirkungen der Anti-Corona-Maßnahmen auf den politischen Diskurs und das gesellschaftliche Miteinander. "Natürlich müssen wir als Gesellschaft immer wachsam sein, wenn unsere Grundrechte eingeschränkt werden", stellte Wagner klar. Beispielsweise in Ungarn habe sich gezeigt, wie leicht sich Maßnahmen zum Infektionsschutz dazu nutzen ließen, ein autoritäres Regime zu etablieren und Parlamente zu entmachten. "In Deutschland können wir aber gerade ein paradoxes Schauspiel beobachten: Die AfD und andere rechte Gruppierungen spielen sich hier als Retter der Grundrechte auf", so Wagner weiter. "Sie geben vor, etwas zu verteidigen, was sie eigentlich verabscheuen." Die gerade kursierenden Verschwörungslegenden schlössen dabei nahtlos an klassische antisemitische Propaganda an. Wagner stellte klar: „Politische Bildung wird immer wichtiger, um Menschen für diese erschreckenden Parallelen zu sensibilisieren."

Stassek betonte: "Wir müssen Corona-Leugnern und Antidemokraten entschieden entgegentreten." Wer sich nicht von rechten Gruppierungen abgrenze, mache sich mit ihnen gemein. Hierbei gehe es nicht um Bekenntnis sondern um Erkenntnis. Sie hob die Bildungsarbeit der IG Metall hervor, die nicht nur in Seminaren, sondern auch und gerade im Alltag auf verschiedensten Treffen der Vertrauensleute, Betriebsräte der Jugendlichen und vielem mehr täglich durch gelebte demokratische Prozesse stattfände.

"Viele Kolleginnen und Kollegen haben in der Krise gemerkt, wie wichtig es ist, sich gewerkschaftlich zu organisieren", beschreibt die Zweite Bevollmächtigte Garnet Alps die Mitgliederentwicklung der IG Metall Braunschweig. Diese sei deshalb auch in der Pandemie sehr stabil geblieben. Die Delegierten ruft Alps auf: "Lasst uns gemeinsam weitere Kolleginnen und Kollegen dafür gewinnen, ihre Arbeitsbedingungen mitzugestalten."