04.05.2025 | Einen Tag vor der dritten Verhandlungsrunde in der Tarifauseinandersetzung des Kfz-Handwerks Niedersachsen sendet die IG Metall ein unmissverständliches Signal an die Arbeitgeberseite: Die Geduld der Beschäftigten ist am Ende. Hunderte Kolleginnen und Kollegen werden morgen zu einem begleitenden Warnstreik direkt vor dem Verhandlungslokal in Hannover erwartet.
Die Botschaft ist klar: Ohne ein faires und verhandlungsfähiges Angebot sind die Beschäftigten bereit, die Schrauben weiter anzuziehen. „Zwei Verhandlungsrunden lang haben wir von den Arbeitgebern nichts gehört, was uns einem gemeinsamen Ergebnis näherbringen könnte. Das muss sich morgen ändern“, sagt Markus Wente, Verhandlungsführer der IG Metall Niedersachsen. „Die Warnstreiks der vergangenen Wochen in ganz Deutschland haben gezeigt, dass die Beschäftigten entschlossen hinter ihrer Forderung stehen und bereit sind, in den nächsten Gang zu schalten – notfalls auch mit 24-Stunden-Warnstreiks.“
Tausende waren bereits auf der Straße – jetzt wird der Druck bundesweit nochmal erhöht
Bislang haben sich bundesweit etwas mehr als dreiundzwanzigtausend Beschäftigte an Warnstreiks und Aktionen im Kfz-Handwerk beteiligt – darunter viele aus Niedersachsen. Die Kolleginnen und Kollegen haben damit eindrucksvoll gezeigt, dass sie bereit sind, für ihre berechtigten Forderungen zu kämpfen: für bessere Bezahlung, spürbare Entlastung und Respekt für ihre Arbeit. Dafür treten morgen nochmals tausende Beschäftigte in Deutschland auf die Straße und lassen den Schraubenschlüssel fallen.
Forderungen mit Substanz – getragen von der Breite der Belegschaften
Die IG Metall fordert:
„Was die IG Metall in dieser Tarifrunde fordert, kommt nicht vom grünen Tisch – es kommt direkt aus den Autohäusern. Unter der Hebebühne, aus der Dialogannahme, aus dem Spind, wo man nach Feierabend die Schultern lockert. Wir fordern, was tagtäglich gebraucht wird – in jedem Autohaus, in jeder Servicebucht, in jeder kleinen freien Werkstatt“, fügt der Metaller an.
6,5 Prozent mehr Geld – weil Facharbeit ihren Wert haben muss
Wer jeden Tag Fehlercodes ausliest, Steuergeräte neu programmiert, Hochvolt-Systeme sicher trennt, Getriebe überholt oder mit Kund:innen über Kostenvoranschläge diskutiert, der braucht nicht nur Applaus. Der braucht ein Einkommen, das die steigenden Preise deckt – vom Mittag in der Kantine bis zur Miete am Monatsende. In der Werkstatt geht es nicht um Luxus, sondern ums Auskommen. Und das wird ziemlich eng, wenn Löhne stagnieren, aber die Verantwortung wächst.
170 Euro mehr für Azubis – weil Zukunft nicht mit Mindestlohn beginnt
Ob Ölwechsel oder OBD-Diagnose – schon im ersten Lehrjahr übernehmen Auszubildende vielfältige Aufgaben. Sie lernen unter Hochspannung, im doppelten Wortsinn – ob an der 12V-Batterie oder beim Kundenkontakt. Viele von ihnen wohnen nicht mehr zu Hause, stemmen Wohnung, Fahrtkosten, Schulmaterial. Wer Fachkräfte will, muss ihnen mehr bieten als einen Ausbildungslohn, der kaum zum Leben reicht. Diese Erhöhung ist kein Geschenk – sie ist überfällig.
Wahlmöglichkeit zwischen Zeit und Geld – weil niemand auf Reserve laufen kann
Das Kfz-Handwerk läuft am Limit. Termine sind knapp, Personal fehlt, und die Technik wird komplizierter. Viele Beschäftigte halten das nur durch, weil sie persönlich auf Verschleiß fahren – und weil sie gelernt haben, zu funktionieren. Deshalb fordert die IG Metall eine echte Wahlfreiheit: Wer will, kann sich für zusätzliches Geld entscheiden. Wer muss, kann auch mal mehr freie Zeit nehmen – für Familie, für Gesundheit, für sich selbst. Das ist kein Luxus, das ist notwendig.
Tarifbindung braucht Verbindlichkeit – nicht Taktieren
Die Arbeitgeberseite hat bundesweit bislang keinerlei Angebot vorgelegt – eine Missachtung der Beschäftigten, die Tag für Tag mit Kompetenz, Einsatz und unter hoher Belastung dafür sorgen, dass Mobilität funktioniert. „Wer Tarifverhandlungen ernst nimmt, muss verhandeln – nicht vertagen, nicht vertrösten. Die gemeinsame Sozialpartnerschaft im Handwerk hat sich seit vielen Jahrzehnten dadurch gestaltet, dass man ins Gespräch kam und nach gemeinsamen Lösungen suchte. Wir sind bereit dazu, jetzt liegt es an der Arbeitgeberseite zu beweisen, ob ihnen diese Sozialpartnerschaft am Herzen liegt“, sagt Wente.
(Pressemitteiluing des IG Metall Bezirks Niedersachsen und Sachsen-Anhalt)