Jugendliche diskutierten mit Hubertus Heil

Erwartungen an eine gerechte Rentenpolitik

  • 19.08.2019
  • Jugend, News

Auszubildende und Jugend- und Auszubildenden- sowie Verbandsvertreter*innen diskutierten am Freitag, den 16. August, im Haus der Kulturen mit Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales, die Tragfähigkeit des Generationenvertrags und einer lebensstandardsichernden gesetzlichen Rente.

Die Jugendlichen übergeben ihre Forderungen an Hubertus Heil. Foto: Peter Frank, d&d

Während des in Kooperation mit Arbeit und Leben veranstalteten Seminars "Perspektiven von Bildung, Arbeit und Rente" hatten die Jugendlichen Gelegenheit, ihre Themen mit dem Bundesarbeitsminister zu diskutieren, wofür sich dieser fast 1,5 Stunden Zeit nahm.

Laura Hein (Jugend- und Auszubildendenvertretung Volkswagen Braunschweig) erläuterte dem Minister die Erwartungen und Forderungen der Jugendlichen an eine gerechtere Berücksichtigung der Lebensleistung in der später zu erwartenden Rente. 

"Armut im Alter ist kein Problem von unterprivilegierten Menschen, sondern hat längst breite Schichten der berufstätigen Bevölkerung erreicht. Die solidarische und paritätisch finanzierte gesetzliche Rente muss auch in Zukunft für die junge Generation sicher und ausreichend hoch sein", ergänzte Eva Stassek, erste Bevollmächtigte der IG Metall Braunschweig.

Chiara Klaka (Jugend- und Auszubildendenvertretung Volkswagen Braunschweig) brachte auch die Anforderungen der Jugend an ein neues Berufsbildungsgesetz ein und bat Hubertus Heil, diese nach Berlin weiterzuleiten. 

Die Diskussion war für alle Beteiligten sehr aufschlussreich und spannend und ging zeitlich über das Seminar hinaus.

Hintergrund:
Mit dem Ende 2018 beschlossenen Rentenpakt der Großen Koalition hat der Bundestag eine der Kernforderungen der IG Metall umgesetzt: Die Stabilisierung des gesetzlichen Rentenniveaus bei 48% und vorerst kein weiteres Absinken auf 43%.

Im Frühjahr 2019 hat Bundesarbeitsminister Hubertus Heil zusätzlich sein Konzept einer „Respekt-Rente“ vorgelegt, das aus drei Bausteinen besteht:

  • deutliche Zuschläge für Niedrigrenten nach mindestens 35 Beitragsjahren,
  • ein Renten-Freibetrag in der Grundsicherung sowie
  • Verbesserungen beim Wohngeld.

Auch dies wären wichtige Schritte. Eine gerechte Grundrente würde die Lebensleistung stärker honorieren und dabei helfen, Altersarmut einzudämmen. Der Beschluss hierüber muss jetzt noch erfolgen. Die langfristigen Herausforderungen der gesetzlichen Rente und damit die Frage der Versorgungssituation im Alter der heute noch jüngeren Generationen sind mit dem aktuellen Reformpaket jedoch keinesfalls gelöst.

Immer mehr Lücken in der persönlichen Beschäftigungsbiographie von insbesondere jungen Menschen z.T. durch Schul-, Studien-, Weiterbildungszeiten, Kindererziehung, Arbeitslosigkeit, geringe Verdienste etc. verursacht, durchlöchern einen kontinuierlichen Erwerb von Anwartschaftszeiten.

Die paritätische Finanzierung der gesetzlichen Rente (50% Arbeitgeber / 50% Arbeitnehmer) ist den Falken im Arbeitgeberlager längst ein Dorn im Auge und wird immer wieder in Frage gestellt. Betriebliche Versorgungswerke für das Alter werden zurückgefahren und eingefroren. Private Anbieter tummeln sich auf dem Rentenmarkt und versprechen sichere Rücklagen, deren Beschränktheit die derzeitige Zinsentwicklung und Vertragsgestaltung aufzeigt.