Erste Tarifverhandlung Holz und Kunststoff: „Unterirdisches Angebot“ der Arbeitgeber

  • 14.09.2021
  • News

Sechs Nullmonate bis Februar 2022. Dann 1,2 Prozent ab März 2022 und 1,3 Prozent ab März 2023. 30 Monate Laufzeit. Demografie und Altersteilzeit: Streichen. Nix. Dieses „Angebot“ präsentierten die Arbeitgeber der Holz- und Kunststoffindustrie bereits in der ersten Tarifverhandlung 2021.

Ein Reallohnverlust für die Beschäftigten – und die komplette Streichung des tariflichen Demografiefonds und der Altersteilzeit: Mit diesem „Angebot“ überraschten die Arbeitgeber der Holz- und Kunststoffindustrie bereits in der ersten Tarifverhandlung 2021 am Dienstag in Westfalen-Lippe – und nun auch in Niedersachsen und Bremen.

Bei einer Laufzeit von 30 Monaten soll es zunächst bis 28. Februar 2022 Nullmonate geben. Erst zum 1. März 2022 soll sich das Entgelt erhöhen – um 1,2 Prozent für 12 Monate, ab März 2023 dann für ein weiteres Jahr um 1,3 Prozent.

Die Tarifforderung der IG Metall nach einer Erhöhung des tariflichen Demografiefonds, zur Gestaltung des demografischen Wandels in den Betrieben, lehnen die Arbeitgeber ab. Mehr noch: Sie wollen den Demografiefonds, aus dem unter anderem die Altersteilzeit finanziert wird, komplett streichen.

6 Monate nichts, dann 1,2 Prozent mehr …

„Dieses Angebot ist unterirdisch“, kritisiert Christian Iwanowski, Verhandlungsführer der IG Metall Nordrhein-Westfalen das Arbeitgeberangebot. „Es würde aufgrund der anziehenden Inflation ein Reallohnverlust für die Beschäftigten bedeuten.“

Iwanowski betonte zudem, dass die Ablehnung der Erhöhung des Demografietopfes angesichts der großen Herausforderungen in den Betrieben unverantwortlich sei. „Wer die Zukunft der Branche sichern will, muss den demografischen Wandel in den Betrieben gestalten. Dafür braucht es eine finanziell attraktive Möglichkeit, in Altersteilzeit gehen zu können. Wer das nicht will, wird die Branche sehenden Auges vor die Wand fahren“, so Iwanowski.
 
IG Metall fordert 4,5 Prozent mehr Geld

Die Tarifkommissionen der IG Metall hingegen fordern 4,5 Prozent mehr Geld, sofort, mit einer Laufzeit von 12 Monaten, mit einem Extra-Plus Auszubildende - sowie eine Aufstockung des Demografiefonds von 300 auf 750 Euro je Beschäftigten im Jahr. Begründung: Der Holz- und Kunststoffindustrie geht es überwiegend sehr gut, trotz Corona. Auftragsbücher und Arbeitszeitkonten sind voll.

„Die Arbeitgeber haben ihre Tradition durchbrochen und bereits in der ersten Verhandlung ein Angebot auf unsere Forderung unterbreitet. Dieses ist aus Sicht der IG Metall Tarifkommission jedoch völlig unzureichend und nicht verhandlungsfähig“, kritisiert Markus Wente, Verhandlungsführer der IG Metall für Niedersachsen und Bremen. „Ein dickes Umsatzplus und Mehrarbeit sind in vielen Betrieben an der Tagesordnung. Und die Möbelhäuser verzeichnen seit ihrer Öffnung im Frühjahr wieder steigende Umsätze.“

IG Metall will Demografiefonds aufstocken

Arbeit ohne Ende – doch viele Beschäftigte in der Holz- und Kunststoffindustrie sind älter und können die oft harte Arbeit nicht bis zur Rente durchhalten. Doch zur Demografie bieten die Arbeitgeber: gar nichts. „Das heißt, sie wollen auch noch die 300 Euro streichen. Der Demografiefonds und die Altersteilzeit sollen ganz weg“, ärgert sich Tim Leese, Betriebsratsvorsizender von Rotpunkt Küchen in Bünde und Mitglied der Verhandlungskommission der IG Metall für Westfalen-Lippe. „Bei uns im Betrieb haben wir einige Beschäftigte, die 60 Jahre oder älter sind, die einfach nicht mehr können und auf Altersteilzeit hoffen. Schon jetzt können wir uns bei 330 Beschäftigten gerade mal einen Altersteilzeitvertrag im Jahr leisten. Doch statt den Demografiefonds zu erhöhen, wollen uns die Arbeitgeber jetzt alles wegnehmen.“

Die Tarifverhandlungen für die Holz- und Kunststoffindustrie gehen am Mittwoch in Baden-Württemberg weiter. Tarifaktionen sind in Planung.