REGIONALKONFERENZ DISKUTIERT DIGITALEN WANDEL

"Wie wird unsere Region 2030 aussehen?"

Auf der Regionalkonferenz des Netzwerkes der Allianz für die Region am 29.11.2018 in Braunschweig diskutierten 350 Akteure aus Unternehmen, Kommunen, Wissenschaft, Verwaltung, Gewerkschaften und Verbänden wie unsere Region 2030 aussehen könnte und welchen Handlungsbedarf es bei den Themen Arbeit, Bildung, Gesundheit, Mobilität und Wohnen gibt.

Eva Stassek im Gespräch mit anderen Konferenzteilnehmern. Fotos: Peter Frank, d&d.

Eva Stassek im Gespräch mit anderen Konferenzteilnehmern. Fotos: Peter Frank, d&d.

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Eva Stassek, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Braunschweig, umriss den Ausgangspunkt der Diskussion wie folgt: "Momentan erleben wir gerade die sogenannte 4. industrielle Revolution von der gerade unsere Region SüdOstNiedersachsen mit ihren Städten und Landkreisen Wolfsburg/Gifhorn, Salzgitter/Peine sowie Braunschweig/Wolfenbüttel mit Helmstedt bis hin nach Goslar massiv beeinflusst wird.

Zum einen werden durch Digitalisierung weitreichende und deutlich intensivere Vernetzung von Maschinen, Industrieanlagen, Produktionsabläufen, dem Engineering, dem Vertrieb und weiteren Unternehmensschaltstellen eröffnet. Sie schaffen ebenfalls weitreichende informelle, soziale und ökonomische Möglichkeiten. Denn auch die Informations- und Vertriebswege sowie die privaten Nutzungsmöglichkeiten der Digitalisierung verändern unseren Lebensraum und unsere Lebensbedingungen.

Hinzu kommen die umzusetzenden Umweltregelungen die die Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes, der Treibhausgase und der Erderwärmung zum Ziel haben und bereits in wenigen Jahren ebenfalls deutliche Umwälzungen und Spuren in den Betrieben und der Gesellschaft zur Folge haben werden. Diese verstärken die Wirkungen der Digitalisierung deutlich, da sie zum Antrieb von Effizienzbestrebungen werden.

Technologiesprünge bergen Chancen und Risiken für Menschen, Firmen und Gesellschaften. Verschlafen Firmen Veränderungen kann es sein, dass sie komplett abgehängt werden wie z.B. mit der optischen Industrie in Braunschweig in den 80er Jahren geschehen. Ehemals namhafte Firmen wie Voigtländer oder Rollei haben den Sprung in das digitale Zeitalter nicht geschafft. Andere erleben einen sagenhaften Boom wie z.B. Internetplattformen wie ebay, facebook etc.

Was wir privat inzwischen kaum noch missen möchten, z.B. das Smartphone, Navigationsgerät im Auto oder das Internetbanking, hat weitreichende Folgen für die Organisation und die Inhalte von Arbeit und die Anzahl der Arbeitsplätze. Experten-Schätzungen gehen von enormen Einsparmöglichkeiten von menschlicher Arbeitskraft in den bisherigen Wirtschaftssektoren aus. Dafür werden in neuen Branchen und Tätigkeiten neue Arbeitsplätze entstehen.

Die Digitalisierung bietet interessante Möglichkeiten z.B. bei alternsgerechtem Wohnen in den eigenen vier Wänden durch vielfältige Assistenzsysteme. Ebenfalls sind inzwischen im Gesundheitssektor Steigerungen in den Diagnose- und Unterstützungsangebote zu verzeichnen die mehr Beschäftigungsmöglichkeiten eröffnen.

Ökologische Anforderungen schützen unsere Lebensgrundlagen und erhalten eine intakte Natur und Umwelt mit gesunden Nahrungsmitteln und Regenerationsmöglichkeiten. Diese Bestimmungen können aber ebenfalls massive Auswirkungen auf Arbeitsplätze haben wie wir vor einigen Jahren auch in Braunschweig am Dosenpfand, das akut Standorte der Dosenhersteller (Schmalbach-Lubeka) in Frage stellte, an der aktuellen Elektromobilitäts-Thematik oder an der Auseinandersetzung am Hambacher Forst täglich vor Augen geführt bekommen.

Für uns IG Metallerinnen und Metaller ist der Maßstab für richtige und wegweisende Entwicklungen, dass die Menschen gute Arbeit zu fairen Entgelten an möglichst ökologischen und gesellschaftlich nützlichen Produkten haben und mit den Produktionsbedingungen nicht die Umwelt zerstören.

Hierbei sollen die positiven Effekte dieser Entwicklung auch den Beschäftigten zugutekommen und nicht nur den Anteilseignern bzw. Eigentümern sowie negative Effekte soweit wie möglich minimiert werden. Dafür bedarf es einer frühzeitigen Einschätzung/ Ermittlung der Entwicklungen und der rechtzeitigen Gestaltung der dafür notwendigen Maßnahmen. Hierzu gehören unter anderem Entscheidungen über Technologien/Systeme/Arbeitsorganisation und die Produktstrategie sowie Produktionsmethoden, eine Technikfolgenabschätzung, Ermittlung von Qualifikationsanforderungen, das Timing beim Roll-out sowie die intensive Einbeziehung und Zusammenarbeit mit den Betriebsräten und Belegschaften."

Stassek zog ein dezidiert positives Fazit der Konferenz: "Die erfolgreiche Bewältigung der bevorstehenden Herausforderungen wird nur durch eine durchdachte Gestaltung der Entwicklungen und Prozesse aller Akteure gelingen. Wettbewerbsfähigkeit kann so auf neuer Grundlage erhalten und ausgebaut werden und sich auch zu Innovationsführerschaft entwickeln.

Unsere Region verfügt über viele innovative Köpfe in Betrieben, Wissenschaft, Institutionen, Verwaltung und bei Verbänden. Viele Aufgaben sind nur im regionalen Zusammenwirken zu bewältigen bzw. können sich dadurch potenzieren. Die Region bietet sich an, viele der Neuerungen hier auszuprobieren und sie zum Innovationsmotor für viele Produkte der ansässigen Unternehmen zu machen.


Die Konferenzteilnehmerinnen und Teilnehmer haben heute im gemeinsamen Austausch Gestaltungsoptionen ausgelotet und Felder identifiziert, auf den Handlungsbedarf besteht, um unsere Region zukunftsfest zu machen und Antworten auf die Frage formuliert, wie unsere Region 2030 aussehen wird und aussehen soll. An den entwickelten Vorschlägen und Hinweisen werden wir in der IG Metall weiterarbeiten."


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