Metaller bei Klavierbauern zu Gast

Betriebsbesichtigung bei Schimmel-Pianos

  • 26.04.2017
  • Kreativclub

Klaviere und Piano-Flügel kennt jeder, doch wie werden sie hergestellt? Darüber hat sich der Kreativclub-Senioren der IG Metall bei Schimmel-Pianos informiert. Im Auswahlzentrum des Braunschweiger Unternehmens wurden wir freundlich empfangen und mit der Geschichte des Unternehmens vertraut gemacht.

Firma Schimmel-Pianos in Braunschweig

Man müsste Klavierspielen können!?

Der Firmengründer, Wilhelm Schimmel, eröffnete 1885 seine erste Werkstatt in Leipzig. Seit 1929 ist die Firma „Schimmel“ in Braunschweig beheimatet. 1932 gründete sein Sohn Wilhelm Arno Schimmel die „Wilhelm Schimmel Pianofabrik GmbH". Über mehrere Generationen blieb das Unternehmen in Familienbesitz.

Braunschweig war im Zweiten Weltkrieg ein Zentrum der Flugzeugindustrie und schon früh Ziel zahlreicher alliierter Luftangriffe. Beim Bombenangriff im Oktober 1944 wurden weite Teile der Pianofabrik an der Hamburger Straße zerstört. Die Produktion der Instrumente wurde bis auf Weiteres eingestellt. Nach Kriegsende wurden dort andere Holzarbeiten gefertigt.

 

Erst 1949 wurde die Fertigung von Klavieren und Flügeln wieder aufgenommen. 1966 war Baubeginn der jetzigen Produktionsstätte an der Friedrich-Seele-Straße. Es folgten erfolgreiche Jahre. Es wurden 1980 rund 10tausend Instrumente gefertigt. Es folgten auch schwierige Zeiten, so ging das Unternehmen 2009 in Planinsolvenz, die in 2010 erfolgreich abgeschlossen wurde. 

 

Im Januar 2016 übernahm ein chinesischer Klavierhersteller das Unternehmen zu 90%.

Zu unserem Rundgang durch die Werkhallen wurden wir in zwei Gruppen geteilt und jeweils von zwei Auszubildenden hervorragend geführt. Beeindruckt waren wir von ihrem umfangreichen Wissen über Betriebsabläufe und dem Klavierbau.

Der größte Anteil der ca. 100 Beschäftigten in der Produktion ist in der Holzbearbeitung tätig, fräsen, sägen, lackieren und schleifen. Wenn alle Vorarbeiten getätigt sind, kann mit dem Zusammenbau begonnen werden.

Ein Klavier besteht aus 5600 Einzelteilen, von den großen Resonanzkörpern hin bis zu den vielen kleinen Teilen im Schlagwerk. Zum großen Teil werden Bergfichte, Buche, Mahagoni und Esche verarbeitet. Für die schwarzen Klaviertasten kommt Kunststoff oder Ebenholz zum Einsatz.

Erstaunt waren wir über die Anzahl der Seiten in einem Klavier. So hat ein Klavier mit 80 Tasten 240 Seiten.

Für den Außenlack hat Schimmel einen besonderen Lack mit 95% Spiegelfähigkeit im Einsatz.

Die Herstellung eines Klaviers beträgt sechs Monate, für die eines Flügels werden neun Monate benötigt.

Die Instrumente werden hauptsächlich nach Amerika und Asien exportiert.

Die Firma Schimmel-Pianos hat rund 140 Mitarbeiter, davon 30 im Ein- und Verkauf, sowie in der Verwaltung, 100 Mitarbeiter in der Produktion und z.Z. neun Auszubildende. Der Frauenanteil liegt bei etwa 30%.

Früher waren die Mitarbeiter in der Gewerkschaft, Holz & Kunststoff, organisiert. Seit dem Jahre 2000 gehöre sie zur IG Metall.

Es war für alle Teilnehmer ein Einblick in eine für uns fremde Arbeitswelt.

Ein herzlicher Dank an das Unternehmen, an unsere engagierten jungen Auszubildenden für ihre aufschlussreiche Führungen, sowie die Organisatoren.

 

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Herzliche Grüße Erhard Dierschke