Interview

Uwe Fritsch und Haluk Cubuk zum Thema Qualifizierung und Transformation – Pflicht oder Chance?

  • 25.02.2019
  • Volkswagen

Mark Seeger (IG Metall-Vertrauenskörperleiter bei Volkswagen in Braunschweig) im Interview mit Uwe Fritsch und Haluk Cubuk.

Wir haben mit dem Betriebsratsvorsitzenden Uwe Fritsch und dem Betriebsratskoordinator aus dem KC E-Mobilität Haluk Cubuk zum Thema Transformation und Qualifizierung gesprochen: Uwe Fritsch (Betriebsratsvorsitzender) und Haluk Cubuk (Betriebsratskoordinator KC E-Mobilität). Foto: IGM bei VW BS.

E-Mobilität, demografischer Wandel, Industrie 4.0 und Produktausläufe sind die wichtigsten Treiber, die die Veränderung am Startort bestimmen. Um mit den aktuellen Herausforderungen Schritt zu halten und den Standort wie bisher fit für die Zukunft zu machen, wollen wir als Interessenvertretung den Veränderungsprozess aktiv mitgestalten. Denn die Veränderung heißt für viele Kolleginnen und Kollegen, dass sie sich mit beruflichen Veränderungen befassen müssen: Das heißt konkret, dass sich ihr Arbeitsbereich und ihre Tätigkeiten ändern.  Bei der Transformation unterstützen neben den Informationen vor allem die begleitenden Qualifikationsmaßnahmen. 


Mark Seeger: Wie sieht es mit der Veränderung am Standort Braunschweig derzeit aus?


Uwe Fritsch: Für den Betriebsrat stehen die Menschen an erster Stelle. Gerade bei Veränderungen ist das ein ganz wichtiger Grundsatz. Wir haben mit dem Zukunftspakt die Beschäftigung am Standort bis zum Jahr 2025 gesichert. Das gibt Kolleginnen und Kollegen Sicherheit und den nötigen Rückhalt, für die berufliche Veränderung.

Niemand fällt im Zuge der Transformation durch das Rost, jede und jeder erhält eine faire Chance. Volkswagen steht wie die gesamte Automobilindustrie vor enormen Veränderungen. Wir wollen uns in Braunschweig neben den bisherigen Fahrwerkprodukten auf unsere Kompetenzen in der Batteriemontage konzentrieren.

Mit der Bereitschaft zur beruflichen Veränderung haben Kolleginnen und Kollegen die Chance, gestärkt und zukunftssicher aus dem Wandel hervorzugehen. Das erfordert einerseits Mut von jedem Einzelnen. Anderseits erhalten sie vielfältige Unterstützung und werden durch Qualifizierung auf neue Aufgaben vorbereitet.

Mark Seeger: Wieso stehen viele Kolleginnen und Kollegen, die sich beruflich verändern werden, noch in der Warteschlange?

Haluk Cubuk: Sowohl in der Kunststofftechnik, als auch in allen anderen Transformations-Bereichen am Standort muss die Produktion aufgrund der Auftragslage weiterlaufen. Das heißt, wir stehen vor der Herausforderung, die Kolleginnen und Kollegen in zukunftsfähige Tätigkeitsbereiche zu transformieren bei gleichzeitiger Erreichung der Renditeziele. Aus diesem Grund können wir nur Schritt für Schritt mit den Kolleginnen und Kollegen Gespräche führen und passende Qualifizierungswege vereinbaren.

Zum anderen nehmen wir die Wünsche und Interessen jedes Einzelnen auf und suchen gemeinsam nach einer zukunftsfähigen Lösung. Dies erfordert mitunter Zeit und Geduld von allen Beteiligten. Aber nur so ist auch sichergestellt, dass die Kolleginnen und Kollegen sich an ihrem zukünftigen Arbeitsplatz wohl fühlen und die berufliche Veränderung am Standort langfristig gelingt.

Mark Seeger: Wie werden die Kolleginnen und Kollegen auf diesem beruflichen Veränderungsweg konkret unterstützt und begleitet?

Uwe Fritsch:
Manchmal sage ich etwas salopp: Bei vielen Kolleginnen und Kollegen war die letzte Prüfung, die sie abgelegt haben, die Führerscheinprüfung. Aber im Ernst: Viele Beschäftigte müssen sich erst wieder an Lernsituationen gewöhnen und dafür fit gemacht werden. Aus diesem Grund hat der Betriebsrat durchgesetzt, dass diejenigen abgeholt und unterstützt werden, die schon länger aus dem Lernen raus sind und Probleme haben, sich allein für diese Herausforderung zu motivieren. Speziell für diese Kolleginnen und Kollegen haben wir die Qualifizierungsangebote „Lernen lernen“ und „FitForChange“ entwickelt. Wir nehmen alle mit und lassen niemanden im Regen stehen!

Grundsätzlich können alle Kolleginnen und Kollegen an den Qualifizierungen teilnehmen, die als sogenannte Transformations-Kandidaten erfasst sind. Die ersten Ansprechpartner sind immer die betreuenden Personalreferenten des jeweiligen Bereichs.

Haluk Cubuk: Die Qualifizierung „Lernen lernen“ richtet sich an Kolleginnen und Kollegen, die bereits motiviert sind und eine fachliche Qualifizierung, zum Beispiel zur Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten, vor sich haben. Es werden unter anderem Lernmethoden und -strategien vermittelt, die das Lernen neuer Inhalte deutlich erleichtern. Das Thema Umgang mit Prüfungsängsten steht ebenfalls im Vordergrund.

Das Lernfitnesstraining als Teil von FitForChange wurde hingegen speziell für Kolleginnen und Kollegen konzipiert, die Schwierigkeiten mit der beruflichen Veränderung haben und sich nicht für neue Aufgaben und Tätigkeitn motivieren können. Es gilt also im Einzelfall genau hinzuschauen, welches Qualifizierungsformat für welche Kollegin und für welchen Kollegen sinnvoll ist.

Mark Seeger: Wie können sich die Kolleginnen und Kollegen über die genannten Qualifizierungen hinaus auf die berufliche Veränderung vorbereiten?

Uwe Fritsch: Wir werden den Wandel am Standort nur gemeinsam meistern können. Die Menschen sind das Wichtigste im Transformations-Prozess. Jede und jeder einzelne kann etwas zum Erfolg beitragen: Je Größer die Bereitschaft ist, sich aktiv auf die Veränderung einzulassen und neue Möglichkeiten zu nutzen, desto eher gelingt der Prozess der Veränderung. Wir als Betriebsrat werden auch zukünftig dafür sorgen, dass die Belange der Kolleginnen und Kollegen berücksichtigt werden und den Prozess in ihrem Sinne gestalten. Drauf ist Verlass!


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