Hat Afrika eine Zukunft?
Rosi Dreibrodt gegrüßt Udo Klitzke

Hat Afrika eine Zukunft?

Natürlich hat Afrika eine Zukunft.

Der Titel meint: "Wessen Afrika hat eine Zukunft?" 
Das der indigenen Bevölkerung oder das der weißen Kolonisatoren?


Das der Bevölkerung oder das der Konzerne der führenden kapitalistischen Staaten?

 

Oder: "Was hat in Afrika Zukunft?"
Die Kulturen der in Afrika lebenden Ethnien oder die Kultur der Ausbeutung, des Finanzkapitals?

Wenn wir von unseren Reisen zurückkehren, kommt uns ein Gedicht von Goethe in den Sinn:

     Meeresstille:
      Tiefe Stille herrscht im Wasser,
      ohne Regung ruht das Meer,
      und bekümmert sieht der Schiffer
      Glatte Flüche ringsumher.
      Keine Luft von keiner Seite!
      Todesstille fürchterlich!
      In der ungeheuren Weite
      Reget keine Welle sich.

 

Fast überall auf dieser Erde werden gerade die Gesellschaften umgebaut:
errungene gesellschaftliche Fortschritte kassiert, Löhne und Gehälter, Renten und Arbeitslosengelder gekürzt; soziale Leistungen gestrichen bzw. gekürzt, die Tarifautonomie ausgehebelt usw.

Gesten wurde berichtet, dass jeder fünfte Beschäftigte Niedriglohn erhält

Zurecht hält Oskar Lafontaine in einem Essay für die FAZ (11.09.2012,  S.27) fest: Jahrzehnte der Deregulierung haben der Welt die Diktatur der Finanzmarkte beschert. Dadurch sind die die Banken und ihre (Groß)Aktionäre so mächtig geworden, dass die Regierungen und Parlamente Gesetze zum Schutze der Schwachen also der Mehrheit der Bevölkerung nicht mehr durchsetzen können.

Und: Aus der Bankenkrise ist angeblich die Euro-Krise geworden und mit ihr die Staatsschuldenkrise. Diese Wendung im Verständnis der Krise ist der Bankenlobby mit Hilfe der Politik gelungen.

Statt die Banken zu zerschlagen wird jetzt der Sozialstaat weiter deregulier.
Das geht alles nur, weil hier Totenstille herrscht, weil überall nur glatte Flächen sind, weil sich keine Welle, sprich gesellschaftliche Kraft, dagegen regt, keine Gewerkschaft, kaum eine Partei: Todesstille fürchterlich! 

Es ist ja nicht alleine so, dass in Berlin eine fast Allpalleienregierung die Politik macht, sondern fast alle gesellschaftlich relevanten Kräfte, von den Gewerkschaften über Verbände und Kirchen bis hin zu Nicht-Regierungsorganisationen bilden diese politische Machteinheit.

Jetzt wird in den sog. Krisenstaaten in Europa eine Agenda 2010 im Quadrat realisiert.

Das Ziel ist klar: Sind in diesen Staaten die Bedingungen für die Herrschenden neu justiert, dann werden wir, mit dem Verweis verlorener Konkurrenz Fähigkeit, dem nächsten Schub weiteren Abbaus sozialer Errungenschaften ausgesetzt, eine Agenda 2020 zeichnet sieh am Horizont ab.

Wie soll Afrika angesichts hier praktizierter Ohnmacht und des z.T. zustimmenden Mitmachens bei der weiteren Durchsetzung neoliberaler Politik, einen Weg für seine Bevölkerungsmehrheit entwickeln?

Wie soll eine afrikanische Bevölkerung sich gegen den IWF, die Ratingagenturen, Welthandelsorganisationen usw. zur Wehr setzen, wenn hier in Deutschland, wie in Europa sich deren Diktat fast widerstandslos unterworfen wird?

Dort beobachtet die führende Klasse genau das Handeln der hier führenden Klasse und die aus Selbstzufriedenheit entspringende Passivität der arbeitenden Bevölkerung, Arbeitslosen und Rentner.

Diese nutzt in Afrika ihre gewonnene politische Macht zum Anhäufen unermesslicher wirtschaftlicher Macht und lässt der Bevölkerung kaum eine Teilhabe am erzeugten gesellschaftlichen Reichtum. D.h., was hier läuft spiegelt sich in Afrika.

Widerstand hier, Entwicklung und Durchsetzung gesellschaftlicher Konzepte auf der Basis von sozialer Gerechtigkeit und von Teilhabe am gesellschaftlichen Reichtum und der Demokratisierung aller gesellschaftlichen Bereiche sowie der Entwicklung und Durchsetzung nachhaltigen Wirtschaftens würde erst jene Luft schaffen, die die afrikanische Bevölkerung benötigt, um den Kontinent im Interesse der Mehrheit seiner Einwohner zu entwickeln.

Da aber bei uns kaum Widerstand gegen die neoliberale Politik entwickelt wird, das Handeln der Multinationalen Konzerne auf wenig Kritik stößt, haben die Menschen in Afrika, allein gelassen, wenig Chancen ihre Interessen zu artikulieren geschweige denn durchzusetzen.

Um zu verstehen, was wie politisch in Afrika läuft, müssen wir uns vergegenwärtigen, dass es große kulturelle Unterschiede zwischen uns und den afrikanischen Völkern gibt.

Deren Verhältnis zur Arbeit, zu Vermögen, Eigentum, zu der Art und Weise der Gesetzgebung und Gesetzsprechung, dem Beachten von Regeln, der Art, die Welt zu betrachten und wie der einzelne mit seiner Umgebung umgeht, zu der Art solidarisch und familiär zu sein, sich gesellschaftlich zu verbinden, Kunst und Kultur auszuüben, die Natur zu sehen, wie Denken, Handeln und Gefühle miteinander verbunden sind, das alles unterscheidet die Afrikaner doch erheblich von uns.

Freilich müssen wir aber auch beachten, dass die herrschende Klasse in Afrika durch die sich angeeignete politische und wirtschaftliche Macht die Möglichkeit hat, unseren Lebensstil zu kopieren:

Internet, Geschäftsbeziehungen, Handy, Autos, Häuser, Freizeit...

Dagegen haben noch immer große Teile der Bevölkerung keinen oder kaum Zugang zu frischem Wasser, Abwassersystemen, Elektrizität, Gesundheitsvor- und -fürsorge, Geldverkehr, moderne Medien, Bildung usw.

Deshalb gibt es in Afrika viele ,,Parallelwelten“, die nicht nur materiell-ökonomisch bedingt sind, sondern auch kulturell.

Udo Klitzke

 

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Für die Redaktion: Erhard Dierschke

 


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