Esther Bejarano zu Gast bei den Kreativen
<CENTER>Esther Bejarano</CENTER>

 

Am 17.03.09 stand der Vortrag: „Verfolgung im 3. Reich“ im Programm der Kreativen.Ein wichtiges Thema, aber in der jetzigen Zeit löst es keine wahre Begeisterung aus. Umso mehr waren wir von der Referentin Frau Esther Bejarano, und ihrer Lebensgeschichte bewegt.

 

Sie wurde am 15.12.1924 in Saarlouis geboren. Als 12 jährige kommt Esther 1936 nach Ulm. Sie ist vietes Kind einer jüdischen Familie. Ihr Vater war Oberkantor und Vorsitzender des jüdischen Kulturbundes.  Ein Jahr später fand die Ausreise der beiden ältesten Geschwister statt. Ihre Schwester wird später von den Nazis auf der Flucht in Holland erschossen.

 

In Ulm erlebt sie die Reichspogromnacht. Sie erlebt mit, wie Juden zusammengeschlagen werden.

Ihre Eltern wurden später nach Litauen deportier und dort erschossen.

18jährig wird Esther 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Ältere Gefangene (ab 45 Jahre), Kinder, Schwangere, Kranke und nicht arbeitsfähige, wurden sofort ausgesondert und zu den Gaskammern gebracht.
Die junge Esther bekam die Häftlingsnummer 41948.

Esther Bejarano:„Ich weiß noch, als ich die Nummer eintätowiert bekam dachte ich, also waren schon 41947 Menschen vor mir hier.“
Tagtäglich erlebte sie die Schrecken des Todeslagers.
Die Gefangenen trugen farblich-unterschiedliche Judensterne und Winkel. Unterschiedlich für jüdische, kriminelle, politische, homosexuelle oder sonstige Gefangene.

Dank ihrer musikalischen Fähigkeit spielte sie als Akkordeonspielerin im legendären Mädchenorchester des KZs. Das Orchester musste beim Eintreffen neuer Züge mit deportierten Häftlingen oder auch vor hohen SS-Offizieren spielen.

 

Über dieses Mädchenorchester wurden später Spielfilme gedreht:

Esther Bejarano und das Mädchenorchester von Auschwitz, Film von Christel Priemer 1992,

Playing for Time - Spiel um Zeit - Das Mädchenorchester in Auschwitz, Spielfilm USA 1980.

 

Von Auschwitz aus wurde sie in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück überstellt. Sie musste dort Zwangsarbeit für den Siemens-Konzern verrichten (Schalter für die U-Bootflotte montieren). Im April 1945 wird sie mit ihren Mithäftlingen auf den Todesmarsch geschickt. Nach fünf Tagen kann sie fliehen und wird später von alliierten Soldaten gefunden.

 

Im Spätsommer 1945 siedelt Ester ins damalige Palästina über.

1950 heirate Esther Loewy ihren Freund Nissim Bejarano. Die Erfahrungen des Sinai-Krieges, ein Krieg gegen die arabische Bevölkerung (ihr Ehemann wurde 1956 an die Front geschickt) ist für beide der politische Grund Israel den Rücken zu kehren. Hinzu kommt, dass Esther Bejarano das Klima in Palästina gesundheitlich nicht bekommt.


1960 kehrt Ester mit ihrem Mann nach West-Deutschland zurück. Sie siedeln nach Hamburg über. Esther Bejarano arbeitet zuerst in einer Wäscherei, später macht sie eine Boutique auf. Ihr Mann betreibt eine Diskothek.

Esther Bejarano tritt 1978 der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ bei. 1986 ist sie Mitgründerin des Auschwitz-Komitees.
Im Dezember 2004 wird Esther Bejarano die Carl-von-Ossietzky-Medaille von der Internationalen Liga für Menschenrechte verliehen.
Inzwischen ist sie die letzte Überlebende des Mädchenorchesters.


Am 06. 10. 2008 verlieh der Bundespräsident Horst Köhler im Berliner Schloss Bellevue, Esther Bejarano das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse.

Frau Esther Bejarano engagiert sich weiterhin gegen Rassismus und Neonazismus. Sie geht in Schulen und berichtet, als eine der letzten Zeitzeugen über Auschwitz und ihr Leben.

Ich denke, dass alle Anwesenden von den Ausführungen Esther Bejarano´s tiefbewegt waren. Wir danken ihr, dass sie trotz ihres hohen Alters zu uns gekommen ist und uns von ihren Erlebnissen so hautnah berichtete.

Erhard Dierschke

 


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