Innovationszentrum der Signaltechnik - seit 125 Jahren

Die Collage: Bereichsrechner, Bedienplatz, EBÜT80-Bahnübergang, HV-Signal, Stellwerk Hannover Hbf, Kabelverteiler, Ks-Mehrabschnittssignal, Hintergrund: Lupenbild

Um 1870 wurde der Braunschweiger Ingenieur Heinrich Büssing mit der Aufstellung zweier in England gekaufter Stellwerke für die Braunschweigische Staatsbahn beauftragt.
Die von Büssing gegründete Signalbauanstalt wurde im Jahre 1873 von der Firma Max Jüdel und Co übernommen. Schon 1880 konnte das 100. Stellwerk ausgeliefert werden, 1892 das 1000.
Die Firma war - wie heute- im innerdeutschen wie auch im internationalen Geschäft tätig. Von 1873 bis 1903 hat Büssing mehr als 90 Patente auf dem Gebiet des Eisenbahnwesens erworben. Seit dieser Zeit ist Braunschweig ein Innovationszentrum der Eisenbahnsignaltechnik.
1899 baute die Firma Jüdel ihr erstes elektromechanisches Stellwerk . Nach der Übernahme durch Siemens 1928 wurde mit der Entwicklung der Relais- oder Gleisbildstellwerke begonnen, die noch heute die häufigsten sind.
Durch den Krieg bedingt, konnte diese Stellwerksform aber erst ab der 50er Jahren weitere Verbreitung finden.
Im Jahre 1983 vereinbarten die Deutsche Bahn und die Siemens AG die Entwicklung des elektronischen Stellwerks, bei dem die Stellwerkslogik nicht mehr durch mechanische Sperren oder Relaisschaltungen, sondern durch Mikrocomputer realisiert wird. Schon zwei Jahre später wurde das erste ESTW an die Bahn übergeben.
Inzwischen gibt es spezielle elektronische Stellwerksformen für den Einsatz im Nahverkehr und im Fernverkehr. Der Trend geht hin zu immer mehr Zentralisierung und Automatisierung der Stellwerke bis hin zu Betriebszentralen, in denen der Fahrdienstleiter nur noch eine Überwachungsfunktion hat. Für Regional- und Nebenstrecken wurde der Funk-Fahrbetrieb entwickelt, bei dem die Zugsicherung und —leitung nicht mehr über Signale geschieht, sondern über ein digitales Mobilfunksystem.
Der Fleiß und Erfindungsreichtum der Arbeiter/ und Ingenieur/innen haben die Eisenbahnsignaltechnik in Braunschweig (heute Siemens Transportation Systems Rail Automation ) zum weltgrößten Betrieb dieses Industriezweiges gemacht. Die Abhängigkeit von einem deutschen Großkunden und vom Auf und Ab des Exportgeschäftes hat aber auch immer wieder zu Problemen geführt .
Die Lösung dieser Probleme wird auch zukünftig zu den Hauptaufgaben des Betriebsrates und der Vertrauensleute zählen.